Ein höherer VO₂max-Wert auf deiner Uhr ist zunächst eine veränderte Schätzung. Für sich genommen belegt er keinen Fitnessgewinn. Entscheidend ist, ob das Verfahren Veränderungen bei derselben Person zuverlässig erkennt. Eine Studie kann gute Übereinstimmung mit einer Labormessung finden, ohne diese andere Frage zu beantworten.

VO₂max bezeichnet die maximale Sauerstoffaufnahme. Die hier besprochene Uhr schätzt sie aus Laufdaten; die Forschenden bestimmten den Vergleichswert über Atemgase beim Laufbandtest. Beide Werte erscheinen in derselben Einheit: Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht und Minute, kurz ml/kg/min. Die gleiche Einheit macht die Verfahren noch nicht gleichwertig.

Was die Studie von 2025 tatsächlich untersuchte

Florian A. Engel, Lukas Masur, Billy Sperlich und Peter Düking veröffentlichten ihre Untersuchung am 6. August 2025 im European Journal of Applied Physiology. Es war eine vergleichende Validierungsstudie mit wiederholten Uhrenmessungen. Untersucht wurden 35 trainierte Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler aus Lauf- und Triathlonkontexten: 24 Männer und 11 Frauen, im Mittel 25,1 Jahre alt.

Der Laborbesuch umfasste einen Laufbandtest mit Atemgasanalyse und eine Verifikationsphase. Anschließend absolvierten die Teilnehmenden zwei 15-minütige Läufe im Abstand von 48 bis 72 Stunden. Dabei schätzte eine Garmin Forerunner 245 mit Softwareversion 13.00 die VO₂max. Verglichen wurden wiederholte Uhrenschätzungen mit einer Laboruntersuchung, keine Labormessungen vor und nach einer Trainingsphase.

Die folgenden Werte stammen aus dem Ergebnisteil, Abschnitt „Results → All athletes“ (Originalbezeichnung der Studie), und Abbildung 3B auf gedruckter Seite 597. Nach dem zweiten Lauf lag die Uhr im Mittel 4,05 ml/kg/min unter dem Laborwert. Die berichteten 95-Prozent-Übereinstimmungsgrenzen reichten von −12,02 bis +3,93 ml/kg/min. Diese Grenzen beschreiben die Streuung der Unterschiede zwischen Uhr und Labor in dieser Stichprobe. Sie sind weder ein persönliches Fehlerintervall noch eine Schwelle, ab der ein späterer Uhrenanstieg als echt gilt. Die Werte sind in den Ergebnissen mit Abbildung 3 und auf PDF-Seite 7 dokumentiert.

Auch die mittlere Unterschätzung ist kein Korrekturfaktor für deine Uhr. Einfach 4,05 zu deinem Wert zu addieren würde den Gruppenmittelwert als individuellen Fehler behandeln.

Nähe zum Laborwert und Erkennen von Fortschritt sind zwei Fragen

Eine Validierungsstudie fragt: Wie nah liegt eine Schätzung am Vergleichsverfahren unter den untersuchten Bedingungen?

Für einen Trainingsfortschritt lautet die Frage: Folgt eine Veränderung der Uhrenschätzung einer tatsächlich gemessenen Veränderung bei derselben Person? Dafür bräuchte es wiederholte Vergleichsmessungen über einen passenden Zeitraum, etwa vor und nach einer Trainingsphase.

Die Studie von Engel und Kollegen enthielt keinen Trainingsblock mit solchen Vorher-Nachher-Labormessungen. Die beiden kurzen Läufe erlauben deshalb keine Aussage darüber, wie zuverlässig die Uhr einen Fitnessgewinn über Wochen erkennt. Das ist eine Grenze des Designs, kein Beleg dafür, dass jede Veränderung bloß Messrauschen ist.

Synthetisches Beispiel: Eine Uhr zeigt zuerst 50 und später 52 ml/kg/min. Die Anzeige ist um zwei Einheiten gestiegen, rechnerisch um vier Prozent. Bekannt ist damit die Veränderung der Anzeige. Ob die maximale Sauerstoffaufnahme ebenfalls um vier Prozent gestiegen ist, bleibt ohne entsprechende Vergleichsevidenz offen. Die Übereinstimmungsgrenzen dieser Studie lösen diese Frage nicht.

Was einen Wochenvergleich nachvollziehbar macht

Für dein Trainingsprotokoll ist eine kurze Kontextnotiz hilfreicher als eine unbelegte Fortschrittsmeldung:

  • Woher stammt der Wert? Notiere Uhrenmodell, Datum und erkennbare Änderungen am Gerät oder Profil. Garmins Anleitung für die Forerunner 245 nennt das Nutzerprofil und die maximale Herzfrequenz als Voraussetzungen für eine möglichst genaue Schätzung. Sie weist auch darauf hin, dass die Uhr zunächst mehrere Läufe benötigt.
  • Sind die Beobachtungen vergleichbar? Halte Strecke, Untergrund, Wetter, Pausen und die verwendete Herzfrequenzquelle fest, soweit du sie kennst. Diese Notizen machen Unterschiede sichtbar; sie erlauben keine pauschale rechnerische Korrektur des Uhrenwerts.
  • Was ist noch dokumentiert? Beschreibe tatsächlich absolvierte Einheiten, Zeit oder Distanz und deine wahrgenommene Anstrengung. Benenne fehlende Angaben. Mehrere Aufzeichnungen aus derselben Uhr sind keine unabhängige Bestätigung ihres Verfahrens.

Eine passende Formulierung für das Beispiel wäre: „Die Uhrenschätzung stieg von 50 auf 52. Die Läufe und Geräteeinstellungen sind nur teilweise vergleichbar. Eine Änderung der im Labor gemessenen VO₂max ist damit nicht nachgewiesen.“ Das bewahrt die Beobachtung, ohne mehr daraus zu machen, als die Daten tragen.

NuroStrides Methodenseite beschreibt Wochenrückblicke und nachvollziehbare Trainingslastrechnungen. Der Assistent soll bei fehlenden Angaben nachfragen. Das Kit enthält keine fertige Uhrverbindung und keine implementierte Leistungsprognose. Diese Funktionen validieren eine VO₂max-Schätzung nicht unabhängig.

Für wen der Befund gilt

Die Stichprobe war klein, jung und bereits trainiert. Geplant waren 79 Teilnehmende; untersucht wurden 35. Frauen waren seltener vertreten. Die Untersuchung betrifft ein Uhrenmodell, eine Softwareversion und ein kontrolliertes Laufprotokoll. Sie lässt sich nicht ohne Weiteres auf ältere Freizeitläufer, andere Geräte oder heutige Firmware übertragen. Sie belegt auch keine Wirkung von NuroStride und keine garantierte Wettkampfzeit.

Der Befund unterstützt einen begrenzten Schluss: Behandle die Zahl als Schätzung mit dokumentiertem Kontext. Ein steigender Wert kann Anlass sein, deine Aufzeichnungen genauer anzusehen. Für die Aussage „Meine Fitness hat sich nachweislich verbessert“ braucht es zusätzliche, zur Frage passende Evidenz. Aus dem Uhrenwert folgt keine medizinische Bewertung oder Trainingsfreigabe.

Quellen geprüft am 11. Oktober 2026. Der Bericht nennt für den zweiten Lauf einen mittleren absoluten Prozentfehler von 7,2 Prozent im Abstract (gedruckte Seite 591), aber 6,7 Prozent in Tabelle 4 und Diskussion (Seite 599) sowie im Fazit (Seite 601). Deshalb verwenden wir keinen dieser Prozentwerte als Genauigkeitsaussage. Die mittlere Differenz der Gesamtgruppe stimmt zwischen Abstract und Ergebnisteil überein; Abbildung 3B stützt ihr Vorzeichen und die Übereinstimmungsgrenzen. Widersprüchliche Untergruppenangaben und Details zur Herzfrequenzerfassung begrenzen die Einordnung zusätzlich. Daraus folgt keine persönliche Korrektur oder Veränderungsschwelle. Dies ist eine Einordnung einer einzelnen Studie, keine Darstellung eines wissenschaftlichen Konsenses.